Quelle: Ostthüringer Zeitung

Immobilien

Kulturpalast Unterwellenborn: Verhandlungen stehen wohl kurz vor dem Abschluss

Unterwellenborn. Der Kulturpalast der Maxhütte wird demnächst wieder ein Jahr älter. Welche Zukunft er hat und wie respektlos sich Lost-Placer verhalten.

Von Benjamin Hertel, Redakteur / Lokalreporter, 14.04.2026, 13:01 Uhr

Derzeit werde mit dem Eigentümer noch verhandelt. Aber: „Da sind wir in den letzten Zügen“, sagt Pierre Wilhelm, Projektkoordinator Kulturpalast Unterwellenborn, ohne Details zu nennen. Konkret geht es aber wohl um eine Stiftungsgründung, damit das denkmalgeschützte Haus breiten Teilen der Bevölkerung künftig wieder offensteht. Im Juni 2024 wurde auf Schloss Burg Namedy am Rhein das Netzwerk für Bildung und Begegnungsorte gegründet. Dafür könnte der Kulturpalast unter dem Slogan „Zukunft Ländlicher Raum“ Modellforschungszentrum werden.

„Leider gibt es eine gewisse Bewegung in Deutschland, die versucht, aus den Kulturhäusern, platt gesagt, Stasi-Gedenkstätten zu machen“, so Wilhelm weiter. In Unterwellenborn soll das verhindert werden, denn das gehe Wilhelms Worten zufolge an der Stimmungslage in der Bevölkerung völlig vorbei. Sicherlich seien nicht nur tolle Sachen passiert, trotzdem habe es sehr viel Identität für die Menschen im positiven Sinne gegeben. Viele hätten einen Großteil ihrer Freizeit in diesen Häusern verbracht und seien mit ihnen deshalb emotional verbunden.

Lost-Placer brechen immer wieder ins Kulturhaus ein

Zuletzt geriet der Kulturpalast Unterwellenborn wiederholt durch Lost-Placer in die Schlagzeilen. Michael Goschütz, ehemaliger Kulturhausleiter, äußerte sich dazu im November 2025: „Diese, ach so harmlosen, Lost-Placer sind auch nichts weiter als Idioten. Das Haus ist verschlossen. Also werden Fensterscheiben eingeschlagen, um die Fensterläden zu öffnen und so ins Haus zu kommen.“ Laut Wilhelm handele der Eigentümer diesbezüglich sehr konsequent. „Dort sind überall Kameras installiert und wer dort einsteigt, geht sofort in das Risiko eines Hausfriedensbruchs.“

Anfang 2021 stahlen Einbrecher die Notstromanlage und umfangreiche Bühnen- und Beleuchtungstechnik im Gesamtwert von rund 60.000 Euro aus dem Kulturpalast. Ein Jahr später ermittelte die Polizei einen Verdächtigen aus dem Großraum Leipzig. Bei der Durchsuchung von Wohn- und Geschäftsräumen des Mannes stellten Beamte fast die gesamte entwendete Bühnentechnik sowie Teile der Notstromanlage und drei Deckenlampen sicher.

Täter vor einem Jahr in Rudolstadt rechtskräftig verurteilt

„Für zwei der Einbrüche, bei denen unter anderem Bühnentechnik gestohlen wurde, wurde ein Täter mit Urteil des Amtsgerichts Rudolstadt vom 13. März 2025 rechtskräftig zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde“, heißt es auf Anfrage von der Staatsanwaltschaft in Gera. Ursprünglich habe man wegen drei Taten Anklage erhoben. Bezüglich eines Tatvorwurfes sei das Verfahren in der Hauptverhandlung jedoch eingestellt worden.

Mit Zustimmung des Eigentümers lagert der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt die damals sichergestellten Gegenstände zurzeit im Depot ein. „Eine Rückführung an den Ursprungsort erschien aufgrund häufiger Einbrüche als nicht sinnvoll“, schreibt das Landratsamt dazu. In gut zwei Wochen, am 1. Mai, wird der Kulturpalast Unterwellenborn 71 Jahre alt.