Quelle: Ostthüringer Zeitung

Denkmalschutz

Milliardär gesucht: Neue Stiftung für Kulturpalast und Gasmaschinenzentrale

Von Guido Berg, Lokalreporter in Saalfeld/ Rudolstadt, 30.05.2026, 06:01 Uhr

Im Mai dieses Jahres hat sich eine Stiftung gegründet, die sich die Entwicklung des Kulturpalastes und der Gasmaschinenzentrale in Unterwellenborn auf die Fahnen geschrieben hat. Ihr Name: „Steinkreis Stiftung für Europäische Industrie Kultur, Raumentwicklung und Gemeinschaft“. Zu den Protagonisten zählen Thomas Zill, Katja Goschütz und Pierre Wilhelm, die sich bereits seit Jahren für die beiden Denkmäler einsetzten.

„Wir brauchen großes Geld.“

Am Freitag wurde die neue Steinkreis-Stiftung im Schaltraum der Gasmaschinenzentrale vor Journalisten präsentiert. Über die Höhe der Stiftungseinlage sei „stillschweigen“ vereinbart, doch diese werde „hoffentlich stark wachsen, um die Stiftungsziele zu erreichen“, erklärte Zill der Redaktion. „Wir brauchen großes Geld.“

Auch Pierre Wilhelm will den Superreichen ein Angebot machen, sich konstruktiv einzubringen. Es stehe doch überhaupt die Frage: „Wie gelingt es, Großvermögen auf die konstruktive Schiene zu bekommen?“ Zill zufolge sei es notwendig, Superreiche dazu „zu motivieren, sich für die gesellschaftliche Daseinsvorsorge und den Zusammenhalt der Zivilgesellschaft zu engagieren“.

Um aber das Interesse von Centi-Millionären und Milliardären zu schüren, machen Zill und Wilhelm deutlich, in welch bedeutsamen europäischen Rahmen der Kulturpalast und die Gasmaschinenzentrale zu sehen sind. Es seien beste Zeugnisse der Industriegeschichte und auch der Geschichte des deutschen Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg.

Steinkreis-Stiftung präsentiert

Bei der Präsentation der „Steinkreis“-Stiftung im Schaltraum der Gasmaschinenzentrale in Unterwellenborn: Thomas Zill, Katja Goschütz, Unterwellenborns Bürgermeister André Gölitzer, Michael Grass und Pierre Wilhelm.

Die Gasmaschinenzentrale, 1928 in Betrieb genommen, stehe für frühe Nachhaltigkeit. Mit Hilfe des noch heute funktionstüchtigen Thyssen-Dynamos seien Verhüttungsgase der nahe Maxhütte aufgefangen und für die Stromgewinnung verbrannt worden. Beide wenden sich dagegen, im leerstehenden Kulturpalast von Unterwellenborn nur ein Symbol kommunistischer Kulturpolitik zu sehen. Weder Walter Ulbricht noch Erich Honecker, beide SED- und Staatschefs in der DDR, hätten am Kulturpalast auch nur ein Stein gerührt. Es seien die Arbeiter gewesen, die das taten und die später dort schöne Stunden verbrachten. Pierre Wilhelm: „Unabhängig vom System haben die Leute auf beiden Seiten viel geleistet.“

Auch Katja Goschütz engagiert sich in der Steinkreis-Stiftung. Die 1. Vorsitzende des Vereins Kulturpalast Unterwellenborn e. V. erinnerte an die Gründung des Vereins im Jahr 2013 und an das „Schicksalsjahr“ 2021, als dem Verein vom Eigentümer verboten wurde, den Palast weiterhin zu betreten. Seither trifft sich der Verein in der Gasmaschinenzentrale und setzt sich auch für dessen Zukunft ein. Katja Goschütz: „Warum ist ein Denkmal ein Denkmal, wenn sich die Gesellschaft nicht bereitfindet, es zu erhalten?“

„Die Stiftung ist ein in die Zukunft weisendes Signal.“

Auch Bürgermeister André Gölitzer begrüßt die Gründung der Steinkreis-Stiftung. „Die Stiftung ist ein in die Zukunft weisendes Signal.“ Beide Denkmale seien „in ganz besonderer Weise im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Oft werde er gefragt: „Wie geht‘s denn nun weiter?“

Doch wie geht‘s nun weiter? – Zill hofft auf eine Zustiftung oder Spende, mit der dem Eigentümer der Kulturpalast abgekauft werden könne – „wenn auch nicht zu einem sittenwidrigen Preis“. Wilhelm erklärt, der Staat habe sich gegenüber dem Eigentümer, einem Möbelhändler, bisher „in einer Wohlverhaltensphase“ befunden. Diese Zeit sei beendet. Wilhelm kündigt an: Nun werde der Staat zeigen, dass er „stark und wehrhaft ist, was den Erhalt des baulichen Erbes angeht“.

Das wird notwenig sein, denn der Erhaltungszustand des Kulturpalastes gilt als bedenklich. Thomas Zill sagt, pro Jahr Leerstand steigt der Sanierungsaufwand um eine Millionen Euro. Das Bauwerk des Architekten Josef Kaiser steht seit der Wiedervereinigung 1990 leer.