Meinung
Der Kulturpalast Unterwellenborn darf nicht von hinten neu beginnen
Quelle: Ostthüringer Zeitung vom 22.11.2024
Ein Kommentar von Benjamin Hertel, Reporter
Unterwellenborn. Ihr Autor über ein Haus der Kultur bei Saalfeld, mit dem zu viele die Vergangenheit, aber nur wenige die Zukunft verbinden.
Wie ist das mit den Erinnerungen, verschwinden die wirklich mit den Häusern? Ich würde sagen, sie verschwinden mit den Menschen. Manchmal werden Erinnerungen in ein Buch geschrieben. Auf den Buch-Premieren werden dann Reden gehalten und Hände geschüttelt, aber niemand spürt, dass es für manche Dinge einfach zu spät geworden ist. Wer heute die Heinrich-Heine-Straße in Unterwellenborn entlanggeht, den beschleicht auf Höhe des Kulturpalastes eine böse Ahnung. Wurde das Land der Natur vergeblich abgerungen?
Ich war 9 oder 10 Jahre alt und es waren die 1980er-Jahre, als mir im Kulturpalast immer auch der Gedanke kam, nichts berühren zu dürfen. Ganz ähnlich dem Silberbesteck, mit dem nur an den höchsten Festtagen der Tisch gedeckt wird. Eine Maus in einem Schloss – ein Monolith in einem Dorf. Viele Ältere wollen die Räume wieder mit Leben füllen – wollen die Zeit zurückzudrehen. Damit werden sie scheitern. Für den Erfolg müssen Sie loslassen. Der erste Schritt wurde gegangen, als das Haus in Privathand fiel, der zweite Schritt ist der Generationswechsel.
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