Erhalten oder abreißen? Diskussion um historische DDR-Kulturhäuser
Quelle: Onlineportal „entwicklungsstadt.de“
(https://www.entwicklungsstadt.de/erhalten-oder-abreissen-diskussion-um-historische-ddr-kulturhaeuser/)
von Wolfgang Leffler, 25. März 2026
Ein denkmalgeschützter DDR-Kulturpalast verfällt – und steht im Zentrum einer aktuellen Debatte. In Berlin diskutierten Expertinnen und Experten über seinen Erhalt. Dabei geht es auch um die Zukunft vieler vergleichbarer Bauwerke.
Die Journalistin Danuta Schmidt und der Verleger und Buchautor Christoph Liepach diskutierten am Montagabend in Berlin-Marzahn über den Erhalt baulicher Zeitzeugnisse der DDR. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand dabei der Kulturpalast des ehemaligen VEB Maxhütte Unterwellenborn in Thüringen.
Das Gebäude steht seit 1987 unter Denkmalschutz, ist derzeit ungenutzt und verfällt mittlerweile zusehends. Christoph Liepach präsentierte dazu seinen Bildband „Max braucht Gesellschaft“.
In der anschließenden Diskussion zwischen der Journalistin und dem Buchautor, bei der auch weitere Protagonisten der Buchentstehung zu Wort kamen, wurden Fragen zur Wertschätzung und zum Schutz dieses baukulturellen Erbes erörtert.
DDR-Kulturhäuser als architektonisches Erbe: Bedeutung und Vielfalt der Bauwerke
Überregional betrachtet gab es in der DDR wohl rund 2.000 Kulturhäuser, allerdings wurden nicht alle in diesem DDR-typischen neoklassischen Stil errichtet, „wo architektonisch alles enthalten ist, etwa Kunstformen aus der Antike“, so Liepach.
Ähnliche Kulturhaus-Bautypen finden sich auch in Schkopau, Suhl oder in Rüdersdorf, der sogenannten „Akropolis von Rüdersdorf“, wo nach zwei Jahren Leerstand nun der Startschuss für die Sanierung gefallen ist.
Liepach ging in seinen Aussagen sogar so weit, dass er das Kulturhaus in Unterwellenborn mit seinen Holzböden und -decken „als Flaggschiff der Kultur in der DDR“ bezeichnete.
Vom Zufallsfund zur Publikation: Die Entstehung des Bildbands „Max braucht Gesellschaft“
Christoph Liepach, der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studierte und selbst aus dem ostthüringischen Gera stammt, kam eher zufällig zu diesem Buchprojekt. Im Jahr 2022 stieß er auf Facebook auf ein Netzwerk von Menschen, die sich unter anderem mit der „Ostmoderne“ in Ostthüringen auseinandersetzten.
Ein von ihm verfasster Kommentar sowie eine aus seiner Sicht völlig unverständlich ausgelöste Hasswelle gegen das Kulturhaus verstärkten sein Interesse zusätzlich. Dabei spielte sowohl seine regionale Verbundenheit als auch die starke Emotionalität eine Rolle, die sich rund um die Maxhütte und das Stahlwerk Thüringen entwickelte.
Industriegeschichte als Grundlage: Die Maxhütte und ihre Bedeutung für das Kulturhaus
Das Kulturhaus verdankt seine Existenz dem Stahlwerk Unterwellenborn, das zu DDR-Spitzenzeiten bis zu 10.000 Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellte beschäftigte. Die Maxhütte im thüringischen Unterwellenborn wurde bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet.
Von 1921 bis 1946 war das Werk Teil des Flick-Konzerns. Als kriegswichtiger Betrieb wurde es ab 1936 vollständig auf Rüstungsproduktion umgestellt. In den Kriegsjahren wurden rund 600 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, vornehmlich aus Osteuropa, eingesetzt.
Kultur auch im ländlichen Raum: Der „Bitterfelder Weg“
Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs erfolgte am 5. Juni 1946 die Enteignung der Maxhütte, die zunächst als SAG – sowjetische Aktiengesellschaft – weitergeführt wurde. Ab dem 1. Juli 1948 wurde die Maxhütte in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt.
Mit dem von der DDR-Regierung eingeschlagenen „Bitterfelder Weg“, der Kultur auch im ländlichen Raum etablieren sollte, begann der Aufbau von Kulturhäusern, die den Großbetrieben angeschlossen waren.
Strukturwandel nach der Wiedervereinigung: Vom VEB zur modernen Stahlproduktion
Nach mehreren Namens- und Besitzänderungen wurde der Betrieb des VEB Maxhütte Unterwellenborn im Jahr 1992 eingestellt.
Seit 1995 produzierte das „Stahlwerk Thüringen“ am Standort Unterwellenborn. Seit Februar 2012 stellt das brasilianische Unternehmen CSN mit rund 3.000 Beschäftigten Stahl in Unterwellenborn her.
Kein Lost Place: Warum der Kulturpalast Unterwellenborn weiterhin Potenzial hat
Auf die Frage, ob es sich um einen „Lost Place“ handele, verneint Christoph Liepach dies. Für ihn wirkt das Gebäude, das von außen wie ein „Boot im Wald“ erscheint, eher wie ein „Dornröschenschloss, in dem alles Mögliche steckt“ und das darauf wartet, saniert und restauriert zu werden.
Im Jahr 2016 entdeckte er im Internet veröffentlichte Fotografien eines Fotografen, die das Gebäude zu einem Zeitpunkt zeigten, als der „Verein zur Rettung des Kulturpalastes – ‚KuPa‘ Unterwellenborn“ dort ansässig war und sich das Haus noch in einem intakten Zustand befand.
Engagement für den Erhalt: Initiativen und öffentliche Debatten zur Industriekultur
Auch wenn die Aktivitäten des Vereins zur Rettung des „KuPa“ inzwischen nachgelassen haben, engagieren sich in sozialen Netzwerken weiterhin zahlreiche Akteure für den Erhalt des Gebäudes.
Liepach betont, dass auch sein Buch dazu beitragen soll, ein Bewusstsein zu schaffen und Synergien zu erzeugen, damit das Kulturhaus langfristig erhalten werden kann.
Architekt Josef Kaiser: Prägende Figur der DDR-Architektur und Ostmoderne
Der Architekt des Kulturpalastes Unterwellenborn, Josef Kaiser, dessen Entwürfe auch die Architektur Ost-Berlins maßgeblich geprägt haben, erhält in Liepachs Buch eine besondere Würdigung.
Neben dem Kulturpalast in Unterwellenborn plante und realisierte Kaiser auch das Kulturhaus im neoklassischen Stil in Rüdersdorf sowie in Ost-Berlin das „Kino International“ und das IHZ – Internationale Handelszentrum – in der Friedrichstraße.
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