Kartenspiel – Zwei Luschen und ein Trumpf: Abrissobjekte im Kreis Saalfeld-Rudolstadt (16.9.2024, OTZ)

16.09.2024

Von Thomas Spanier, Leiter Lokalredaktion

Erfurt/Saalfeld. Studenten der Fachhochschule Erfurt und der Bauhaus-Universität Weimar haben ein „Abriss-Quartett Thüringen“ entwickelt.

Natürlich darf der Kulturpalast Unterwellenborn nicht fehlen: Als „Archetyp der Kulturhäuser“, dessen Rettung bisher ohne durchschlagenden Erfolg blieb, taucht das Objekt jetzt in einem Abriss-Quartett Thüringen auf, das 28 bereits verschwundene oder im Bestand gefährdete Häuser in Thüringen vereint – und vier Trümpfe in Form von erfolgreich sanierten Gebäuden.

Inspiriert vom Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) haben Studierende der Fachhochschule Erfurt und der Bauhaus-Universität Weimar (Professur Denkmalpflege und Baugeschichte) das Kartenspiel erarbeitet, das auch als Ausstellung gezeigt wird. Es soll auf spielerische Art und Weise auf die Herausforderungen hinweisen. Das Spektrum reiche von beklagenswerten Verlusten über Abrisskandidaten bis zu überzeugenden Revitalisierungen lange leerstehender Bauten.

Probleme, Potenziale und Werte illustriert
„Abseits der Städtekette werden anhand von 32 Baubeispielen Probleme, aber eben auch Potenziale und Werte illustriert“, heißt es in einer Mitteilung von Dr.-Ing. Mark Escherich von der Bauhaus-Universität Weimar, zugleich Lehrbeauftragter an der Fakultät Architektur und Stadtplanung der FH Erfurt und Stadtdenkmalpfleger der Landeshauptstadt. Ein vergleichbares Abriss-Quartett gibt es bereits in Rheinland-Pfalz.

Die zweite „Lusche“ aus dem Kreis Saalfeld-Rudolstadt ist neben dem Kulturpalast das Sanatorium Sommerstein an der Garnsdorfer Straße in Saalfeld. „Ursprünglich in den 1870er Jahren auf einem Grundstück oberhalb Saalfelds angelegt, wuchs der Komplex vor allem seit 1900 auf acht Kurgebäude. Alle Zeitenbrüche des 20. Jh. hat er als Heilstätte überlebt, bloß nicht die Transformation nach 1990“, heißt es in der Beschreibung. Von den noch existierenden Bauwerken sei das Waldhaus aufgrund seiner soliden Bauart das am besten erhaltene und einzige mit einer Option auf Zukunft.

Das dritte und letzte Objekt aus dem Landkreis hat das Label „gerettet“ und gilt damit als einer von vier Trümpfen: Es handelt sich dabei um das 1904 errichtete, als IBA-Projekt sanierte Bahnhofsgebäude in Rottenbach, das heute als Hofladen und Bürgertreffpunkt dient.

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